Geschichte

Geschichte

Nach der Glaubensspaltung entstanden um die Mitte des 16. Jahrhunderts in unserer Gegend die ersten Volksschulen als kirchliche Einrichtungen. Den Unterricht erteilte der Pfarrer in den beiden Fächern Katechismus und Kirchengesang. Zu seiner Entlastung zog er später den Mesner heran, der damit zum Religionslehrer wurde. Als die Unterrichtsfächer um Lesen, Schreiben und Rechnen erweitert wurden, entstand nach und nach der Beruf des "Schullehrers", der jahrhundertelang auch noch Mesner, Glöckner und Organist war. 


Der Unterricht begann nach der Ernte am Fest des heiligen Martin und fand nur den Winter über statt. Die Teilnahme am Unterricht war lange Zeit völlig freiwillig. Bezahlt wurden die Lehrkräfte aus den Erträgen des Zehnten in Naturalien, vor allem in Form von Lebensmitteln und Brennholz.


In unserer Gemeinde gab es schon sehr früh einen Lehrer. Bereits im Mühlhausener Pfarrbuch von 1564 lesen wir: "Der Schulmeister wird durch den Pfarrherrn, Schultheiß und übrige Gemeinde zu Mühlhausen angenommen und mit Pflicht und Eid durch den Pfarrherrn bestätigt".  


Der erste namentlich bekannte Schulmeister von Mühlhausen war 1718 Johann Adam Bend. Er wurde aus "drei tauglichen Subjecten" ausgewählt, die zuvor eine Prüfung in Buchstabieren, Lesen, Katechismus, Lebensregeln, Schön- und Rechtschreiben, Rechnen, Choralsingen und Orgelspielen abgelegt hatten. Sein Gehalt bestand -wie damals üblich- vor allem aus Feldfrüchten. Daher widmete er sich neben der Schule auch der Landwirtschaft, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.


Im Mai 1756 wurde der Mühlhausener Bürger Joseph Wiesendanger Schulmeister. Da er unter verschiedenen chronischen Krankheiten litt, brauchte er den Unterricht nicht, wie es damals eigentlich üblich war, allein zu erteilen, sondern bekam Hilfskräfte zugewiesen. Sein Nachfolger wurde 1785 Franz Hillenbrand aus Rot, der bis Januar 1809 an der Schule wirkte. 


Noch im gleichen Monat wurde sein Schwiegersohn Alexander Julier als Hauptlehrer angestellt. Er gilt als Gründer des Kirchenchores St. Cäcilia. Er war ein begabter Musiker, verschaffte vor allem der geistlichen Musik im Leben der Schule einen hohen Stellenwert und gründete sowohl den Kirchenchor St. Cäcilia als auch einen örtlichen Knabenchor. Die fast unerträglichen schulischen Anstrengungen -Julier unterrichtete als Alleinlehrer 170 Schulkinder - rieben ihn auf. Hauptlehrer Julier starb im Sommer 1846, nachdem er 37 Jahre in der Schule und Pfarrgemeinde gewirkt hatte.


1846 übernahm Joseph Abbath das Amt des Schulmeisters. Er sprach sich offen für die Einführung demokratischer Verhältnisse in der Gemeinde aus, ein Staatsverbrechen in der damaligen Zeit. Zusammen mit dem Bürgermeister Sebastian Rittel und Gemeinderat Franz Keilbach wurde er zum geistigen Führer einer Freiheitsbewegung, welche in die Revolution des Jahres 1849 einmündete. Er verlor nach der gescheiterten Revolution am 16.06.49 "wegen Beteiligung an den hochverräterischen Unternehmungen" seine Stelle und sein Vermögen. 1850 erhielt er nach seiner Begnadigung in Unterwittstadt eine neue Anstellung.

  Schulstube
um 1900
(Winzermuseum
Rauenberg)

Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde zusätzlich zum Hauptlehrer allmählich die Beschäftigung eines Unterlehrers üblich, auch wenn es immer noch vorkam, dass nur eine Stelle besetzt war. Hauptlehrer waren in dieser Zeit Georg Martin Eitel (seit 1850), Johann Dekert  (seit 1856), Joseph Zimmermann (seit 1875)  und Franz Anton Pfeiffer (seit 1877).


Im Mai 1882 erhielt Mühlhausen mit Peter Vilgis einen allseits beliebten Pädagogen, der im Mai 1885 auch kirchenmusikalische Verantwortung in der Pfarrkirche St. Cäcilia übernahm. Ihm folgte im Schuldienst Wilhelm Kegel (1888).


Kurz vor der Jahrhundertwende entstand der neue Begriff des Schulleiters. Diesen Titel durfte als erster Mühlhausener Lehrer Albert Konrad (seit 1895) führen, sowie nach ihm Philipp Gut (seit 1900), Otto Lämmlein (seit 1920) und Joseph Winter (seit 1935). 

  Erdkundeunterricht
bei Lehrer Julius Ritzi

Nach der Besetzung Mühlhausens durch die Amerikaner 1945 wurde Julius Ritzi zum kommissarischen Schulleiter bestellt, da er durch die Zeit Nationalsozialismus politisch nicht belastet war. Er hatte es gewagt, in den Jahren 1933 bis 1945 gegen den Strom zu schwimmen, um das christliche Gedankengut in der Schule zu erhalten. Über die pädagogische Arbeit hinaus gestaltete er das kulturelle Leben der Gemeinde maßgeblich mit, indem er das Laienspiel auf der Bühne zu neuer Blüte führte, 1925 den Musikverein gründete und fortan dirigierte sowie 1935 die Leitung des Kirchenchores übernahm. 1966 wurde ihm von der Gemeinde die Ehrenbürgerwürde verliehen.


1959 wurde Adam Gaber Rektor der Mühlhausener Schule. Während seiner Amtszeit entwickelte sich die SchülerInnenzahl explosionsartig. Aufgrund der dadurch entstandenen Schulraumnot wurden nicht nur die Kellerräume des Schulhauses bezogen, sondern eine Baracke mit drei Klassenzimmern gebaut und ein Raum in der Bernhardushalle angemietet. Erst der Einzug der Hauptschule in das neue Schulhaus am Waldrand (Zehnminutenrededes Schriftstellers Hans Bender) im Jahre 1971 brachte Entlastung.


In den Jahren 1968/69 wurde die Schulzeit auf 9 Schuljahre erhöht,  der Schuljahresbeginn von Ostern auf den Spätsommer verlegt und der traditionelle Begriff der Volksschule durch den der Grund- und Hauptschule abgelöst. Zeitlich parallel begann der Aufbau der Realschule sowie der Sonderschule, ...die Zeit der Schul- und Bildungsreform hatte begonnen. Während bisher jedes Dorf seine eigene Volksschule gehabt hatte, mussten die Hauptschüler/innen aus Rettigheim seit 1972 zum Unterricht nach Mühlhausen kommen. 1975 folgten die Grund- und Hauptschüler/innen aus Tairnbach, nachdem die Grundschule aufgelöst worden war. Daraufhin herrschte erneut Raumnot an der Grundschule Mühlhausen. Im Schuljahr 1975/76 besuchten immerhin 715 SchülerInnen die Schule, 30 Lehrkräfte und 2 Geistliche unterrichteten an ihr. Die Situation entspannte sich einige Zeit später. Rückläufige Geburtenraten, wachsendes Interesse für Realschulen und Gymnasien und die Wiedereröffnung der Grundschule Tairnbach im Jahre 1986 ließen die SchülerInnenzahlen in Mühlhausen erneut sinken. Alfons Kretz, der inmitten dieser tiefgreifenden Veränderungen 1973 zum Rektor der Schule ernannt worden war, ging nach 15 Jahren Schuldienst in den Ruhestand.


Als erste Frau in der Geschichte der Grund- und Hauptschule Mühlhausen übernahm im April des Jahres 1989 Ursula Martin das Amt der Rektorin. Ihr pädagogisches Ziel war es, gemeinsam mit dem Kollegium eine ganzheitliche, auf die Gesamtpersönlichkeit der Schülerinnen und Schüler ausgerichtete Erziehung und Bildung zu gewährleisten. Der Sokratische Eid für Lehrkräfte, wie er von H. v. Hentig (Professor für Pädagogik an der Universität Bielefeld) formuliert wurde, sollte dieses Ziel unterstreichen. Die Sanierung des Werkrealschulgebäudes und die Einführung der Ganztagesschule mit offener Angebotsform (in der Sekundarstufe) zum Schuljahr 2008/2009 waren zuletzt mit auch ein großer Verdienst von Ursula Martin. Mit Ablauf des Schuljahres 2010/2011 wurde Frau Martin in den wohlverdienten Ruhestand gebührend verabschiedet.


Mit Beginn des Schuljahres 2011/2012 übernahm Mathias Schmitz im September 2011 das Amt des Rektors. Durch den Umbruch im baden-württembergischen Schulsystem liegt daher das Hauptaugenmerk der Schulleitung und des Kollegiums darin, die Kraichgauschule auf einen neuen Weg zu bringen, um nicht zuletzt den Standort einer weiterführenden Schule der Gemeinde Mühlhausen für seine Bürgerinnen und Bürger zu erhalten.
So ist die Kraichgauschule Mühlhausen seit dem Schuljahr 2015/2016 eine Gemeinschaftsschule, die neben der Grundschule auch die Sekundarstufe I umfasst, sodass die Klassenstufen 1-10 überwiegend zweizügig angeboten werden können. Nach Klasse 10 kann nun jede/r Schüler/-in an der Kraichgauschule einen vollwertigen Mittleren Schulabschluss (genauso wie an einer Realschule) ablegen und im Anschluss daran auf ein berufliches oder allgemeinbildendes Gymnasium wechseln.