Begleithund

Begleithund

Begleithund Pelle der Schulsozialarbeit


Konzept

 

Tiergestützte Pädagogik in der Schule

In den letzten Jahren haben sich Tiere als therapeutische Helfer immer stärker etabliert. Sie werden häufig als  Co-Therapeuten eingesetzt werden, beispielsweise in der Delphintherapie, im Therapeutischen Reiten, als Assistenzhunde für Behinderte und als Besuchsdienst in Altenheimen. Zunehmend werden Hunde in letzter Zeit auch in Kindergärten sowie in Ergo- und Logopädiepraxen eingesetzt.

Der Kontakt zu Tieren löst beim Menschen die Ausschüttung von Oxytocin aus. Dieses Hormon hat sowohl physiologische Effekte wie Stressreduktion, Senkung des Blutdrucks, als auch psychologische Effekte wie Förderung von Bindung, Förderung der sozialen Kompetenz, Förderung der Empathie…

 

Warum ein Schulhund?

Die positive Wirkung von Hunden auf Schülerinnen und Schüler ist bereits durch viele Studien wissenschaftlich untersucht und erprobt. Ganz allgemein sorgen Hunde nicht nur für gute Stimmung bei den Kindern, sondern  vermögen es auch, Ängste zu nehmen und das soziale Handeln und langfristig auch den Lernerfolg von Schülerinnen und Schülern positiv zu beeinflussen.


Ziele:

An den Schulen haben sich in den letzten Jahren die Erziehungsaufgaben erhöht, sodass Schule schon lange nicht nur ein Ort der Wissensvermittlung ist, sondern auch einen immer größeren Beitrag zur Entwicklung sozialer Kompetenzen leistet. Ein Schulhund kann dafür ein weiterer hilfreicher Baustein oder pädagogischer Helfer sein und für die Schule in folgenden Punkten von Vorteil sein:


Abbau von...

  • Ängsten
  • Unausgeglichenheit
  • Einsamkeit
  • Sprachstörungen
  • ADS/ADHS
  • Aggressivität, Wut


Förderung von...

  • Wahrnehmungs-und Kommunikationsfähigkeit
  • Grob- und Feinmotorik
  • AusdauerVerantwortungsbewusstsein
  • Der Entwicklung sozialer und emotionaler Kompetenzen/Empathie
  • Klassengemeinschaft
  • Erfüllung von Bedürfnis nach Nähe
  • Sprach- und Lesekompetenz
  • Wohlbefinden, Stimmung und Selbstvertrauen

 

Positive Auswirkungen eines Schulhundes in Bezug auf das Bindungsverhalten:

Inzwischen weiß man immer mehr um die Bedeutung der Bindungstheorie in Bezug auf das Lernen. Kinder müssen sich angenommen wissen und sicher gebunden fühlen, um gut lernen zu können. Wenn sie vertrauensvolle Beziehungen zuhause und in der Schule haben, können sie sich besser auf den Unterricht konzentrieren und besser mit Stress umgehen. Manche Schüler kommen jedoch mit belastenden Erfahrungen in die Schule, erleben ambivalente Familienbeziehungen, unsichere Bindungen und stressige Familiensituationen. Hier kann der Schulhund   als Katalysator wirksam sein. Er kann durch seine bloße Anwesenheit Stress bei Schülerinnen und Schülern reduzieren und positive Beziehungserfahrungen ermöglichen. Für sie ist der Hund  ein Freund, mit dem sie keine schlechten Erfahrungen machen, auf ihn sind sie nicht böse. Umgekehrt ist auch der Hund auf die Kinder nicht böse. Sie fühlen sich so angenommen wie sie sie sind. Er schimpft nicht mit ihnen und korrigiert  sie beispielsweise auch nicht bei Lesefehlern. Er hört geduldig zu.

Die Beziehung zum Hund erfüllt bei den meisten Kindern die Funktion einer sicheren Bindung. Sie fühlen sich durch seine Anwesenheit wohler und gehen lieber in die Schule.

 

Schulhund Pelle:

Pelle ist ein aktiver, sehr kontaktfreudiger Border-Collie-Mischling.  In der Mischung ist auch Pudel enthalten, der als sehr allergenarm gilt.

Pelle ist in einem Haushalt mit drei Kindern groß geworden. Bereits dort hat er sich als hervorragender Streitschlichter erwiesen und den Geschwisterstreit erheblich reduziert. Pelle war lange in der Hundeschule und hat am Hundesport Agility teilgenommen.

Er ist den Kontakt mit Menschen, insbesondere mit Kindern von Welpe an gewöhnt und scheut auch vor großen Kinder- und Menschenmengen nicht zurück. Durch seine witzige Art und seine vielen Tricks sorgt er stets für gute Stimmung. Ist es ihm zu laut oder raufen sich zwei oder mehrere Kinder, fängt er an zu bellen. Die Kinder hören auf zu streiten.

Besonders sensibel ist er für Kinder, die traurig sind oder bei denen es gerade  zu Hause oder mit Freunden oder in der Schule nicht so gut läuft. Hier erweist er sich durch bloßes daneben liegen oder sich kuscheln lassen als Seelentröster.

Er mag alle Kinder, auch diejenigen, die sonst bevorzugt Mobbingopfer sind. Er bewertet nicht und akzeptiert alle.

Pelle ist dem Arbeitskreis Schulhund gemeldet. Im Rahmen des Arbeitskreises finen regelmäßig verpflichtende und praxisorientierte Seminare zur tiergestützten Pädagogik und Schulhundausbildung statt.

 


Hygienische und gesundheitliche Vorsorge:

Im Rahmen der Selbstverpflichtung wird Pelle regelmäßig tierärztlich untersucht. Er erhält alle gängigen Impfungen und wird prophylaktisch entwurmt. Entsprechende Nachweise liegen vor.

Zudem wird der  Hygieneplan der Schule entsprechend ergänzt. Selbstverständlich erhält der Hund keinen Zugang in den Spiegelsaal und in die Schulküchen. Seife und Händedesinfektionsmitttel stehen zur Verfügung.

 


Regelwerk:

Pelle hält sich vorwiegend im Büro auf oder in der Mittagsbetreuung. Im Grundschulbereich nur auf Anfrage.

Natürlich befindet sich Pelle IMMER nur in Begleitung seiner Hundeführerin Christiane Schwan. Er ist stets an der Leine und läuft nicht frei durch das Schulhaus.

An alle Eltern, deren Kinder in Kontakt mit Pelle kommen, ist  eine Einverständniserklärung herausgegangen, in der auch nach Allergien und Hundeangst gefragt wird.

Selbstverständlich müssen die Kinder, die Angst vor Pelle haben, keinen Kontakt mit ihm haben. In vielen Fällen suchten diese Kinder jedoch langsam den Kontakt und wurden mit Hilfe behutsam an Pelle herangeführt, sodass schon einige Ängste abgebaut werden konnten

 

Damit Pelle in der Mittagsbetreuung eingesetzt werden kann, werden alle Schüler immer wieder darin trainiert, adäquat auf den Hund zuzugehen und seine Körpersprache richtig zu deuten. Dazu gibt es ein  Regelwerk, das den Schülern den richtigen Umgang erleichtert.



Regeln für den Umgang mit Pelle in der Schule:

  1. Gib Pelle ohne Erlaubnis keine Kommandos!
  2. Immer nur ein bis drei Kinder dürfen Pelle streicheln
  3. Umarme Pelle nicht, fasse ihn nicht von hinten an und halte ihn nicht fest! Das mag Pelle nicht!
  4. Füttere Pelle nicht ohne Erlaubnis.
  5. Nach dem Streicheln Hände waschen nicht vergessen!
  6. Nehmt Rücksicht auf Pelle, seine Ohren sind sehr empfindlich: Verhaltet euch in seiner Nähe leise und streitet Euch nicht!
  7. Wenn Pelle seine  Ruhe brauche, dann lasst ihn  ungestört in seinem  Korb!

 

Einsatz von Pelle in der Schule:

Pelle wird in verschiedenen Bereichen in der Schule eingesetzt:

  • Im Sozialtraining: Pelle ist im Sozialkompetenztraining der Klasse 5b dabei. Dies sieht so aus, dass er seinen Platz in seinem Korb hat und einfach anwesend ist. Die Schülerinnen gehen ruhiger miteinander um, da sie wissen, dass Pelle zu große Unruhe oder Lautstärke nicht mag. Für besonders unruhige Kinder ist der direkt Kontakt zu Pelle wichtig. Sie kommen durch ihn (wenn er direkt daneben liegt) sehr viel mehr zur Ruhe:
  • In der Mittagspause: In der Mittagspause besteht an ein bis zwei Nachmittagen in der Woche das Angebot einen Spaziergang mit Pelle und seiner Führerin zu machen. Den Kindern tut diese Form Bewegung gut und es ergeben sich viele gute Kontakte, Gesprächsmöglichkeiten und Gespräche, auch mit schwierigeren Themen. Für einige Minuten ist Pelle an manchen Tagen auch im Schülercafe. Dort hat er seinen Platz in der Ecke neben einem Sofa. In Anwesenheit der Hundeführerin dürfen drei bis vier Schülerinnen bei ihm sein.  Aufgrund der hohen Lautstärke ist  nicht jeden Tag und nicht die gesamte Mittagspause  im Schülercafé.
  • In der Lerntherapiegruppe: Auch in der Lese-Rechtschreibfördergruppe, die freitags unter der Leitung von Frau Schwan stattfindet, ist der Einsatz von Pelle sinnvoll und vorgesehen, denn er erweist sich hier als guter Zuhörer und meckert nicht, wenn das Vorlesen der Schülerinnen zu unflüssig oder fehlerhaft ist.
  • In der Einzelfallhilfe: Ob in Konfliktfällen, bei Unterrichtsstörungen, bei Fehlverhalten oder Problemen einzelner SchülerInnen ist der Einsatz von Pelle hilfreich. Ein kurzer Ortswechsel, Gespräche in Bewegung außerhalb des Schulgebäudes plus zusätzliche Streicheleinheiten für Pelle wirken in vielen Fällen direkt deeskalierend.

 

      


Verantwortlich für den Inhalt:
Christiane Schwan, Schulsozialarbeiterin

Kontakt unter: schulsozialarbeit@kraichgauschule-muehlhausen.de
oder unter (0 62 22) 30 78 21 (während der Bürozeiten)